translator 4.0, Mensch gegen Maschine?

Die Digitalisierung schreitet rasch voran und macht vor kaum einer Branche halt. Auch die Übersetzer des 21. Jahrhunderts können längst nicht nur übersetzen, sondern sind auch notwendigerweise eifrige User von verschiedenen Tools, die den Übersetzeralltag erleichtern und beschleunigen. Texte werden heute aber nicht nur mehr ausschließlich vom Übersetzer aus Fleisch und Blut angefertigt, sondern auch von speziellen Computerprogrammen. Bereits in den 1950-er Jahren wurden die ersten Programme für maschinelle Übersetzungen entwickelt. An dieser Stelle erscheint es sinnvoll, einmal eine terminologische Unterscheidung zu treffen und zwischen (voll-)automatischer maschineller Übersetzung (MÜ) und computergestützter Übersetzung (CAT) zu differenzieren.

Vollautomatische maschinelle Übersetzung

Die vollautomatische maschinelle Übersetzung erfolgt auf der Grundlage von künstlicher Intelligenz. Für ein binäres System, das mit Null und Eins operiert, ist es sehr schwer, Sätze, die aufgrund der ungeheuer großen Ausdrucksmöglichkeiten, die uns die menschliche Sprache bietet, sehr unterschiedlich sein können, richtig zu interpretieren und wiederzugeben. In vielen Fällen ist die vollautomatische Übersetzung im Geschäftsalltag tatsächlich ausreichend, um schnell ein E-Mail in die Landessprache zu übertragen oder sich eine Idee über den Inhalt eines Angebots, einer Website oder einer Korrespondenz zu verschaffen. Oft genug bleiben solche Übersetzungen aber schlichtweg unverständlich. Nur ganz selten eignen sich automatisch übersetzte Texte als Vorlage für eine Korrektur durch den Übersetzer. Meistens muss die Übersetzung neu gemacht werden, was eine erhoffte Kostenersparnis durch die Computerübersetzung ganz schnell zunichtemacht.

Maschinengestützte Übersetzungen

Neben den vollautomatischen Übersetzungen gibt es auch maschinelle Übersetzungen, bei denen der Übersetzer den Text vor- und nachbereitet: Komplizierte Satzgebilde werden vereinfacht, Eigennamen oder doppeldeutige Wörter werden gekennzeichnet, um die Fehlerquellen zu reduzieren. Das Ergebnis ist dann eine gute Rohübersetzung, die eine vernünftige Grundlage für die Endfassung darstellt, die der Humanübersetzer liefert.

Der Bedarf an Übersetzungen in unserer globalisierten Welt ist sehr hoch. Humanübersetzer könnten diesen enorm hohen Bedarf an Übersetzungen gar nicht erfüllen. Und genau darin liegt auch die Berechtigung von solchen Programmen. Denn das Ziel einer solchen Übersetzung ist nicht getreue und druckreife Übertragung des Texts in die Zielsprache, sondern ihr Informationsgehalt. Öffentliche Institutionen oder internationale Konzerne haben oft MÜ-Programme im Einsatz.

Neben den kostenlosen Online-Übersetzungen im Internet, deren Ergebnisse den oben angeführten Einschränkungen unterliegen, gibt es aber auch kostenpflichtige Programme, bei denen einige Anpassungen vorgenommen werden können wie zum Beispiel die Integration von Fachausdrücken. Bei Online-Übersetzern ist das nicht möglich. Gut die Hälfte der Übersetzungsfehler sind übrigens lexikalische Fehler.

Translation Memory

Für die große Schar der modernen Übersetzer ist der Einsatz von CAT-Tools mittlerweile ganz normal. Der technische Fortschritt hat längst die Zunft der Übersetzer erreicht. Ein sogenanntes Translation Memory (Übersetzungsspeicher) ist eine eigene Software, die für professionelle Übersetzer entwickelt wurde. Der große Unterschied zur maschinellen Übersetzung ist, dass hier wirklich der Humanübersetzer tätig ist und nicht das Computerprogramm. Die Aufgabe der Software ist es, alle Übersetzungen in diesem Translation Memory (TM) in Form von Segmenten, die meistens einem Satz entsprechen, zu speichern. Dadurch ist die Terminologie eines bestimmten Fachgebiets oder eines bestimmten Kunden immer abrufbar und somit stets konsistent. Selbst angelegte Glossare können exportiert und anderen Übersetzern zur Verfügung gestellt werden. Alle Übersetzungsbüros und sehr viele freiberuflich tätige Übersetzer haben heute ein solches Tool, egal von welchem Anbieter. Übersetzungsagenturen können die Arbeit von Teams koordinieren.

Ein weiterer Vorteil einer solchen Software ist die Unterstützung von verschiedenen Dateiformaten. Fakt ist, dass ein Translation Memory ein sehr effizientes Arbeiten erlaubt. Aber nicht alle Textsorten eignen sich gleich gut für ein TM. Ein klassischer Text, der sich hervorragend für ein TM eignet, ist zum Beispiel ein Handbuch, das regelmäßig aktualisiert wird. Typischerweise wird bei einer Neuauflage nicht der ganze Text neu geschrieben, sondern nur einzelne Bausteine geändert bzw. aktualisiert. Die Software hat den früheren Ausgangstext samt Übersetzung im Speicher und erkennt die identen oder sehr ähnlichen Stellen im Vergleich zur Neuauflage und schlägt dem Übersetzer die frühere Übersetzung vor. Wenn der Satz nicht vollständig ident ist, werden die von der früheren Version abweichenden Stellen hervorgehoben, damit der Übersetzer ja nichts übersieht und eine Anpassung vornehmen kann. Texte, die sehr viel Kreativität erfordern wie in den Bereichen Werbung und Marketing, haben selten Textstellen, die sich wiederholen. Dennoch kann es nützlich sein, auch diese Texte mithilfe des TM zu bearbeiten, um die Terminologie des Kunden immer griffbereit zu haben.

Fazit

Nicht Mensch gegen Maschine, sondern Mensch und Maschine! Der Humanübersetzer wird auch in naher Zukunft nicht durch Computer zu ersetzen sein. Je nach der gewünschten Qualität und dem Zweck der Übersetzungen haben aber innerhalb der bisher angeführten Einschränkungen auch maschinelle Übersetzungen Ihre Berechtigung und ihren Sinn. Computergestützte Übersetzungen sind längst Standard und leisten wertvolle Unterstützung zum Nutzen der Übersetzer und der Kunden. Eine qualitativ hochwertige Übersetzung, die sämtliche Nuancen des Quelltexts in die Zielkultur überträgt, leistet aber nur der Humanübersetzer.