Leichte Sprache – Schwere Aufgabe?

Sprache dient der Verständigung und der Kommunikation. In vielen Fällen kann die Sprache diesen Zweck aber nicht erfüllen, sondern stellt häufig eine Barriere dar! Oft ist die Sprache unnötig „verkompliziert“ und bereitet vielen Menschen Verständnisschwierigkeiten. Das trifft nicht nur auf Menschen mit Lernschwierigkeiten oder mit geringen Lesefähigkeiten zu, sondern auch auf MigrantInnen. Das Ziel der Leichten Sprache ist es, Kommunikationshürden abzubauen und Texte für ALLE verständlich zu machen.

Für das Verfassen und Texten in Leichter Sprache muss man sich eingehend mit dem Thema auseinandersetzen und einschlägige Aus- und Weiterbildungen besuchen. Leichte Sprache ist nicht schwer, will aber erlernt und geübt werden. Beim Erstellen oder dem Übersetzen von Texten in Leichte Sprache gibt es einige grundlegende Regeln zu beachten:

Es sollen einfache Wörter benutzt und Fremdwörter vermieden werden. Mehrere kurze Sätze sind verständlicher als ein langer und „verschachtelter“ Satz. Hilfreich ist eine erklärende Sprache, die auch mit Beispielen oder Hinweisen belegt ist. Inhalte, die keine wesentlichen Informationen enthalten, dürfen auch weggelassen werden. Auch beim Schreiben von Zahlen gibt es ein paar Grundregeln: So sollen zum Beispiel römische Zahlen vermieden werden und nach Möglichkeit soll auf konkrete Jahreszahlen, die weit in der Vergangenheit liegen, verzichtet werden. Es wird auch empfohlen, hohe Zahlen oder präzise Prozentangaben zu umschreiben. Auch das optische Erscheinungsbild eines Textes spielt eine große Rolle für das bessere Verständnis.

AutorInnen von leichter Sprache arbeiten immer mit einer Prüfgruppe. Das bedeutet, dass die Texte vor ihrer Veröffentlichung einer Qualitäts- bzw. Prüfgruppe zur Verständniskontrolle vorgelegt werden. Im Zweifelsfall können die VerfasserInnen und die ÜbersetzerInnen immer bei den PrüferInnen nachfragen. Das Schreiben und Übersetzen von Texten in einfacher Sprache ist immer Teamwork!

Leichte (leicht verständliche) Sprache ist ein wichtiger Schritt in Richtung Inklusion von Menschen mit Lern-Schwierigkeiten, Menschen mit geringen Deutsch-Kenntnissen oder auch Demenzkranken. Der Zugang zu Information ist eine wesentliche Grundbedingung für ein selbstbestimmtes Leben und der Partizipation am gesellschaftlichen Leben.

Das Verfassen oder das Übersetzen von Texten in leichte Sprache ist ein spannendes Betätigungsfeld für Übersetzer und eine Möglichkeit, die eigenen Kompetenzen zu erweitern. Das Konzept der Leichten Sprache gibt es nicht nur für die deutsche Sprache, sondern ist mittlerweile auch in anderen Sprachen gebräuchlich.